Der Schmerz

Schmerz, ist »ein unangenehmes Sinnes- und Gefühlserlebnis, das mit aktueller oder potenzieller Gewebsschädigung verknüpft ist beziehungsweise mit Begriffen einer solchen Schädigung beschrieben wird«.

Solche Empfindungen können lebens- und überlebenswichtig sein. Schmerzen können als Alarmsignale unseres Körpers unser Leben retten, weil sie uns auf Gefahrenquellen wie Hitze, Kälte oder Verletzungen aufmerksam machen und damit Schaden von uns abwenden. Sie können uns auf Krankheiten hinweisen, die ohne die schmerzhaften Warnhinweise erst viel später – oder zu spät – entdeckt würden und deshalb lange Zeit unbehandelt blieben.

Doch sehr viele Menschen kennen den Schmerz bloß als ihren Peiniger. Besonders dann, wenn er chronisch wird und ihre Lebensqualität schwer beeinträchtigt.

Schmerzen lassen sich meistens gut kontrollieren

Dank der Erkenntnisse und Fortschritte der modernen Medizin sind heute die meisten Schmerzen sehr gut behandelbar oder sogar völlig vermeidbar. Was allerdings bei bestimmten akuten und kurzfristigen Schmerzen für viele Menschen zu einer Selbstverständlichkeit wurde – zum Beispiel das Schlucken eines leichten Schmerzmittels bei Kopfschmerzen infolge eines Wetterumschwunges oder bei einer Sportverletzung – ist bei sehr starken oder länger dauernden Schmerzen noch immer nicht die Regel: eine individuell abgestimmte Schmerzbehandlung mit ausreichend wirksamen Methoden und dem Ziel größtmöglicher Linderung oder völliger Schmerzfreiheit.

Dies ist umso weniger verständlich, als die Entwicklung der Schmerztherapie in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten enorme Fortschritte gemacht haben. Es gibt heute eine breite Palette von Behandlungsmöglichkeiten, mit deren Hilfe das Ziel der Schmerzfreiheit bei den meisten Patienten erreicht werden kann – oder zumindest Schmerzlinderung.

Akute und chronische Schmerzen

Zu einem besseren Verständnis von Schmerz, Schmerzbehandlung und Schmerzmanagement trägt der Unterschied zwischen akutem und chronischem Schmerz bei.

Akute Schmerzen sind häufig von kurzer Dauer und klingen wieder ab, wenn ihre meist eindeutigen Ursachen behoben werden, zum Beispiel durch eine Operation des entzündeten Blinddarms, der starke Schmerzen verursacht.

Von chronischem Schmerz spricht man, wenn über einem Zeitraum von mehr als drei Monaten entweder anhaltend oder immer wieder Schmerzen bestehen. Häufig sind dabei zwar die Krankheitsursachen erkennbar, jedoch nicht heilbar. In vielen Fällen sind allerdings die Ursachen des chronischen Schmerzes unklar, etwa bei den so genannten funktionellen Schmerzen, für die keine körperlichen Ursachen ausgemacht werden können.

Im chronischen Stadium nimmt die ursprüngliche Funktion des Schmerzes als warnender Hinweis auf ein krankhaftes Geschehen im Körper ab, der Schmerz verselbständigt sich zunehmend von seiner auslösenden Ursache und wird zu einer eigenständigen Krankheit. In diesem Zusammenhang spricht man auch oft von der sog. „chronischen Schmerzerkrankung“.

Das Schmerzgedächtnis

Die Verarbeitung von Schmerzen im Nervensystem hinterlässt Spuren, die man das sog. „Schmerzgedächtnis“ nennt. Der Körper kann sich früher erlebte Schmerzen „merken“, dies wiederum kann die aktuelle Schmerzwahrnehmung verstärken. Hat jemand die Erfahrung gemacht hat, dass ein Schmerzzustand nicht ausreichend gelindert werden konnte, so kann die bloße Erinnerung daran Schmerzen unterhalten oder verstärken. Das ist einer der Gründe dafür, bei Operationen durch die Verabreichung entsprechender Medikamente Schmerzen gar nicht erst entstehen zu lassen. Das Schmerzgedächtnis hat dann nichts, an das es sich erinnern könnte, und kann seine potenziell Schmerz verstärkende Wirkung nicht entfalten.

Schmerzen sind etwas Individuelles

Die Schmerzempfindung ist etwas sehr Individuelles. Schmerzen mit derselben Ursache können nicht nur von zwei Menschen völlig unterschiedlich erlebt werden. Sogar bei ein- und derselben Person hängt es von vielen persönlichen Umständen ab, wie belastend sie Schmerzen empfindet. Neben hormonellen Einflüssen können dabei Faktoren wie die psychische Verfassung, das Körpergewicht, die Verteilung des Körperfettes, Außeneinflüsse wie Licht und Luft, aber auch Stress und frühere Erfahrungen mit Schmerzen eine entscheidende Rolle spielten. Heute ist bekannt, dass auch das Schmerzempfinden von Männern und von Frauen unterschiedlich sein kann.

Bei der Beurteilung des eigenen Schmerzes gibt es nur einen einzigen Experten: den Betroffenen selbst. Nur er kann kompetent einschätzen, ob die Schmerzen für ihn noch erträglich oder bereits unerträglich sind, wie sehr sie ihn in seiner Handlungsfähigkeit und Lebensqualität beeinträchtigen, und ob eine bestimmte Schmerzbehandlung auch den gewünschten Erfolg bringt.

So werden Schmerzen gemessen

Weil sich Schmerzen nicht mit Hilfe von Laboruntersuchungen, Röntgen oder Ultraschall veranschaulichen lassen, wurden inzwischen eine Reihe von Methoden entwickelt, um das individuelle Schmerzempfinden besser einschätzbar und nachvollziehbar zu machen.

Schmerzskalen

Schmerzskalen, die auf der Einschätzung der Patienten beruhen, sind heute eine weit verbreitete Methode der Schmerzmessung. Über längere Zeit erhoben, geben sie erfahrene Ärzte Schlüsse über mögliche Ursachen und Einflussfaktoren und die Wirksamkeit der Behandlung. Die Schmerztherapie muss dann immer wieder neu angepasst werden.

Numerische Ratingskala

Die Intensität des von einem Menschen empfundenen Schmerzes kann zum Beispiel auf Ziffernskalen (»Numerische Ratingskala«, NRD), die etwa von 0 bis 5 oder von 0 bis 10 reichen können, eingetragen werden. 0 entspricht dabei der Schmerzfreiheit, 5 oder 10 »unerträglichem Schmerz«

Visuelle Analogskala

Patienten können ihre Schmerzempfindung auch mit Hilfe eines Querbalkens ohne Stufenzahl einstufen. Dessen linker Rand entspricht einer nicht schmerzhaften Empfindung, der rechte Rand »unerträglichem Schmerz«. Auf solchen »Visuellen Analogskalen« (VAS) kann die jeweilige Schmerzintensität mit einem schwarzen Punkt markiert werden.

Verbale Ratingskala

Viele Patienten tun sich leichter, ihre Schmerzen nicht auf einer Liste zwischen Extremwerten einzuordnen, sondern diese zu beschreiben. Dafür wurden so genannte Wortskalen oder »Verbale Ratingskalen« (VRS) entwickelt. Auf die Frage »Welches Wort beschreibt Ihre aktuelle Schmerzstärke?« können Patienten zwischen den Antworten »kein«, »mäßig«, »mittelstark«, »stark« und »stärkster vorstellbarer« Schmerz wählen.

Beispiel für eine Schmerzskala

Stufe 1: Sie haben gegenwärtig keine Schmerzen

Stufe 2: Sie haben mäßige Schmerzen, die Sie bei Ablenkung nicht mehr wahrnehmen

Stufe 3: Sie haben mittelstarke Schmerzen, die beim Gehen oder beim Einschlafen hinderlich sind

Stufe 4: Sie leiden unter starken Schmerzen, fühlen sich erschöpft und möchten sich am liebsten ständig hinlegen. Ihr Denken dreht sich nur um Ihre Schmerzen, Sie fühlen sich hilflos.

Stufe 5: Sie haben extrem starke Schmerzen, möchten am liebsten schreien, verlieren den Lebensmut und reagieren depressiv.

Das Schmerztagebuch

Wenn Sie wissen, welche Einflüsse Ihre Schmerzen verstärken, können Sie besser damit umgehen. Ein Schmerztagebuch kann Ihnen dabei helfen, diese Faktoren präziser zu beobachten und zu überblicken, und gemeinsam mit Ihrem Arzt Konsequenzen daraus zu ziehen.

Es gibt eine Reihe von Anleitungen für Schmerztagebücher.