
Es gibt noch immer eine Reihe überkommener, falscher Klischees zum Thema Schmerz, die viele Menschen davon abhalten, kompetenten schmerzmedizinischen Rat zu suchen. Einige Beispiele:
Falsch! Schmerzempfindung ist immer etwas sehr individuelles. Schmerzen mit derselben Ursache können von zwei Menschen unterschiedlich erlebt werden. Sogar bei ein- und derselben Person hängt es von zahlreichen persönlichen Umständen ab, wie belastend Schmerzen erscheinen.
Falsch! Nicht behandelter Schmerz birgt das Risiko, chronisch zu werden. Akutschmerz kann Hinweise auf eine Krankheit geben. Heute kann mit modernen Diagnose-Verfahren den Ursachen der Schmerzen meistens rasch auf den Grund gegangen werden – manchmal sind allerdings trotz Untersuchungen keine körperlichen Ursachen erkennbar. Jedenfalls kann mit einer Schmerztherapie begonnen werden, sobald der Schmerz erkannt und dokumentiert wurde.
Falsch! Schon Neugeborene sind schmerzempfindlich, und Schmerzen bei Kindern müssen unbedingt angemessen behandelt werden. Schmerzreize hinterlassen im heranreifenden Nervensystem eine Gedächtnisspur, und die betroffenen Kinder sind später oft schmerzempfindlicher.
Falsch! Chronischer Schmerz braucht chronische Schmerztherapie unter ärztlicher Kontrolle und im Rahmen eines qualifizierten Schmerz-Managements. Schmerzmedikation „bei Bedarf“, häufig mit rezeptfreien Medikamenten und außerhalb ärztlicher Kontrolle, kann zu Nierenschäden, Magenproblemen oder Schmerzmittel-bedingtem Dauerkopfschmerz führen.
Falsch! Es ist heute unbestritten, dass Opioid-Schmerzmedikamente nicht nur Arzneimittel für unheilbar Kranke sind. Sie sind nicht nur gegen Krebsschmerz, sondern auch gegen andere Schmerzformen wirksam. Auch Antidepressiva weisen eine gute schmerzlindernde Wirkung auf und können bei unterschiedlichsten Schmerzsyndromen eingesetzt werden.
Schmerzen sind ein eigenständiges Krankheitsbild. Sie sollten nicht passiv ertragen werden, sondern bedürfen einer angemessenen Schmerzbehandlung.