
Soziale und psychologische Faktoren können das Schmerzempfinden stark beeinflussen. Für manche Menschen haben z.B. Schmerzen in ihrer persönlichen Biografie oder in ihrer Familiengeschichte eine besonders positive oder negative Bedeutung.
Wer häufig oder ständig unter Schmerzen leidet, kann dabei psychische Veränderungen durchmachen: Schwere chronische Schmerzen können zermürben, ängstlich und niedergeschlagen machen. Das Leiden kann zur Isolation, zur Gefährdung von Beziehungen oder zum Verlust des Arbeitsplatzes führen. Ein Kreislauf, der den Schmerz noch weiter verstärken kann.
Psychische Probleme oder Stress können über das vegetative (»unwillkürliche«) Nervensystem zu Muskelverspannungen und in der Folge zu Schmerzzuständen führen.
Chronische Schmerzen können durch »ungeeignetes Verhalten« verstärkt werden. Die Schmerzneigung kann zum Beispiel verstärkt werden, wenn Angehörige oder sonstige nahe stehende Bezugspersonen Betroffenen besonders dann Zuwendung und Anteilnahme zukommen lassen, wenn diese gerade unter Schmerzen leiden. Dann kann der problematische psychische Mechanismus des »Krankheitsnutzens« in Kraft treten: Man bekommt ein gewünschtes Verhalten nur dann, wenn man leidet. Solche Prozesse entziehen sich weitgehend der Kontrolle durch das Bewusstsein. Auch manche im Beruf Überforderte flüchten in Schmerz und Krankheit.
Bei vielen Angsterkrankungen sind Schmerzen häufig eine typische Begleiterscheinung der Krankheit. Andererseits rufen akute, schwere Schmerzzustände häufig Angst hervor. Eine Spirale, der ohne professionelle Hilfe – also zum Beispiel Psychotherapie und/oder angstlösende Medikamente – oft nur schwer oder auch gar nicht zu entkommen ist.
Zwischen Schmerz und Depression besteht häufig ein starker Zusammenhang. Es ist zu beobachten, dass depressive Verstimmungen bei Schmerzpatienten weit häufiger auftreten als bei schmerzfreien Menschen. Umgekehrt kann auch Depression häufig zu Schmerz führen. Deshalb werden in solchen Fällen, je nach Ursache und Schweregrad der Depression, häufig auch Psychotherapien und/oder gegen die Depression wirkende Medikamente empfohlen.