
Schmerzzustände bei Kindern sollten immer ernst genommen werden. Nicht nur akute Schmerzen wie zum Beispiel Ohrenschmerzen, sondern auch häufig wiederkehrende Schmerzzustände wie Bauchschmerzen.
Obwohl Schmerzen auch Kindern schwer zu schaffen machen können, sind sie in Bezug auf eine kompetente schmerzmedizinische Behandlung oft noch immer eine benachteiligte Patientengruppe. Viele Eltern sind bei der medikamentösen Behandlung der Schmerzen ihrer Kinder eher zurückhaltend: Oft wegen der Angst vor unerwünschten Wirkungen von Schmerzmedikamenten. Aber auch wegen der verbreiteten Vorstellung, dass Kinder weniger Schmerzen empfinden als Erwachsene – diese Annahme wurde jedoch durch neuere medizinische Erkenntnisse klar widerlegt.
Allerdings sind die wissenschaftlichen Erfahrungen mit der medikamentösen Schmerzbehandlung im Kindesalter begrenzt. Häufig werden die Erkenntnisse aus der Schmerztherapie Erwachsener als Grundlage für die Auswahl und/oder Dosierung des Medikamentes für die Schmerztherapie bei Kindern gewählt. Wissenschaftliche Erkenntnisse zu einer Nutzen-Risiko-Abwägung im Kindesalter sind im Vergleich zum Erwachsenenalter zum Teil noch unvollständig.
Wie ein Kind mit Schmerzen umgeht, hängt oft auch davon ab, wie seine Umgebung darauf reagiert. Ruhige und zuversichtliche Erwachsene unterstützen ein leidendes Kind. Angst, Unruhe, übertriebene Hektik und Besorgnis können ein Kind zusätzlich beunruhigen. Plötzliche, ungewöhnliche Zuwendung und übertriebenes Mitleid kann die Vorstellung verfestigen, dass ein Kind mit Hilfe von Krankheiten und Beschwerden in das Zentrum der Aufmerksamkeit rücken kann. Gibt es Zuwendung nur im Krankheitsfall, so kann das die Weichen in einer für das Kind und seine Entwicklung problematischen Weise stellen.
Lässt sich Ihr Kind bei akuten Schmerzzuständen nicht durch einfache Maßnahmen beruhigen oder tritt etwa zwei Stunden nach einer medikamentösen Schmerztherapie keine Besserung der Schmerzen auf, sollte ein Kinderarzt die Ursachen der Beschwerden abklären.
Kindern drücken Schmerzen je nach ihrem Lebensalter in unterschiedlicher Weise aus. Säuglinge und Kleinkindern können nicht »sagen«, wenn sie Schmerzen haben, sie drücken ihre Schmerzen deshalb oft in einer Art und Weise aus, die für Erwachsene nicht leicht zu verstehen ist. Auf Schmerzen kann zum Beispiel hindeuten, wenn Ihr Säugling spitze Schreie ausstößt, lange und anhaltend schreit, oder nicht trinkt oder schläft.
Je nach dem Alter eines Kindes können auch Unmut, Weinen, Stöhnen, blasse Haut, Schonhaltung, Verweigerung von Nahrung oder Abwehr von Berührung Hinweise auf Schmerzen sein. Mit der zunehmenden Fähigkeit, sich sprachlich auszudrücken (meistens ab dem dritten oder vierten Lebensjahr) können Kinder den Ort der Schmerzen näher beschreiben.