Besonderheiten der Schmerzen bei alten Menschen

Ältere Menschen sind wohl jene Gruppe, die am häufigsten von Schmerzen betroffen ist. Allerdings sind gerade ältere Menschen schmerzmedizinisch noch nicht optimal versorgt. In unserer Gesellschaft ist immer noch die Ansicht weit verbreitet, Schmerz und Alter seien nun einmal untrennbar miteinander verbunden und Schmerzen im Alter daher unvermeidlich. Diese Einschätzung ist allerdings angesichts der heute verfügbaren Möglichkeiten der Schmerzmedizin nicht zutreffend, und Schmerzen bei alten Patienten nicht angemessen zu behandeln wäre aus ärztlicher und ethischer Sicht nicht akzeptabel.

Besonderheiten bei der Diagnose

Oft ist es auch bei älteren, pflegebedürftigen Menschen schwierig, ihre Schmerzen und deren Intensität angemessen zu beurteilen. Dadurch besteht die Gefahr, dass Schmerzen nicht erkannt und deshalb auch nicht ausreichend behandelt werden können. Allerdings stehen heute sehr gute Methoden der Schmerzmessung auch für demente Patienten zur Verfügung.

Besonders bei dementen Patienten kann bereits die Diagnose sehr schwierig sein. Trotz zum Teil starker Beeinträchtigungen berichten ältere Patienten einem Arzt selten über ihre Schmerzen, was zur falschen Annahme führt, dass sie tatsächlich weniger unter Schmerzen leiden. Das Ergebnis ist dann oft eine nicht adäquate Schmerztherapie.

Dazu kommt, dass Patienten mit Hirnleistungsstörungen ihre Schmerzen oft nicht einordnen können: Sie werden ängstlich, fühlen sich bedroht, wandern herum, gestikulieren, schreien, sind beunruhigt, oft auch aggressiv. Gerade bei solchen Verhaltensauffälligkeiten sollte bei dementen Patienten immer Schmerz als mögliche Ursache bedacht werden.

Besonderheiten bei Medikamenten

Außerdem gestaltet sich die Schmerztherapie bei älteren Menschen oft komplizierter als bei jüngeren, weil sie in vielen Fällen unter mehreren chronischen Erkrankungen gleichzeitig leiden. Die deshalb erforderlichen Medikamente können Wechselwirkungen mit einzelnen Schmerzmitteln haben, wodurch es zu unerwünschten Nebenwirkungen kommen kann. 

Es gibt eine Reihe von möglichen Problemen, die bei der Schmerzbehandlung älterer Menschen berücksichtigt werden müssen:

  • Bei der Einnahme von NSAR besteht ein erhöhtes Risiko einer Magenblutung, weil die Magenschleimhaut nicht mehr so gut durchblutet ist wie bei jüngeren.
  • Eine eventuell schon vorher bestehende Verstopfung kann sich während der Opiat-Therapie weiter verschlechtern.
  • Die Dosis des Schmerzmittels muss reduziert werden, wenn zusätzlich eine Leber- oder Nierenerkrankung vorliegt.
  • Wenn das Schlucken Schwierigkeiten bereitet, können zahlreiche Präparate auch in Tropfenform, als Suspensionen oder Zäpfchen eingenommen werden.