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eine Frau mit türkisem Trägertop sitz am Strand und meditiert, mit dem Rücken zur Kamera, im Hintergrund sieht man das Meer, die Wellen schlagen ans Ufer

NERVENSCHMERZ = Neuropathischer Schmerz

Nervenschmerzen entstehen als direkte Folge einer Verletzung oder einer Erkrankung, die schmerzleitende Fasern des Nervensystems beeinträchtigen. Diese können Nerven in verschiedenen Geweben, aber auch im Rückenmark oder Gehirn betreffen.

Es sind verschiedenste Ursachen und Auslöser möglich:

1) Mechanische Nervenschädigungen durch Einengungen, Quetschungen oder Durchtrennung von Nervenfasern:

  • Karpaltunnelsyndrom
  • ausstrahlende Schmerzen bei Irritation von Nervenwurzeln durch Bandscheibenvorfälle
  • Schmerzen nach Nervendurchtrennungen bei chirurgischen Eingriffen
  • Phantomschmerzen nach AmputationenSchmerzen bei Stoffwechselerkrankungen:

2) Schmerzen bei Stoffwechselerkrankungen:

  • Diabetes (schmerzhafte diabetische Polyneuropathie)
  • Durchblutungsstörungen

3) Toxische Schäden:

  • übermäßiger Alkoholgenuss
  • Chemotherapie bei Krebserkrankungen

4) Entzündliche Erkrankungen:

  • Gürtelrose
  • HIV Infektionen (AIDS Neuropathie)

5) Ursachen im Zentralnervensystem:

  • nach Schlaganfällen
  • im Rahmen von Multipler Sklerose
  • bei Querschnittslähmungen 

 

Typische Symptome und Zeichen:

Eine schmerzhafte Nervenschädigung, d.h. ein neuropathischer Schmerz, ist immer dann anzunehmen, wenn die Gefühlsstörungen dem Versorgungsgebiet eines Gefühlsnervs (= sensorischen Nervs) im Gewebe oder einer geschädigten Nervenwurzel, eines Rückenmarkabschnittes oder Gehirnbereiches entsprechen. Typische Zeichen und Symptome sind einschießende, elektrisierende oder brennende Schmerzen, Kribbeln und Ameisenlaufen, Taubheit im betroffenen Gebiet sowie Schmerzverstärkung durch leichte Berührung. Die Beschwerden treten oft in Ruhe auf oder können leicht ausgelöst werden.

Diagnose:

Die diagnostische Abklärung beruht auf einer körperlichen und klinisch-neurologischen Untersuchung mit Prüfung der Hautempfindlichkeit, der Reflexe und der Muskelkraft. Sie können durch eine Schmerzzeichnung, Schmerzfragebögen („wie tut es weh“) und weitere Spezialtests ergänzt werden. Oft werden zusätzlich bildgebende Verfahren wie z.B. Computertomographie oder Magnetresonanztomographie eingesetzt.

Therapie:

Da eine völlige Schmerzfreiheit nur selten erreichbar ist, sollten am Beginn realistische Ziele festgelegt werden. Dazu zählen eine Linderung der Schmerzen um mehr als 30 bis 50 Prozent, eine Verbesserung von Schlaf- und Lebensqualität sowie der Erhalt der Arbeitsfähigkeit. Diese Ziele zu erreichen erfordert ein gewisses Maß an Geduld. Es dauert eine bestimmte Zeit, bis das richtige Medikament bzw. die richtige Medikamentenkombination gefunden wird und diese eine volle Wirkung entfalten. Durch eine medikamentöse Schmerztherapie sollen die Beschwerden gelindert werden. Zum Einsatz kommen:

  • Präparate zum Einnehmen oder selten als als Injektion / Infusion (orale oder systemische Therapie): gewisse Medikamente gegen epileptische Anfälle zur Nervenstabilisierung = Antiepileptika (z.B. Gabapentin, Pregabalin), einige Präparate gegen Depressionen zur Schmerzhemmung = Antidepressiva (z.B. Amitriptylin) und als nächste Stufe auch Schmerzmittel aus der Gruppe der Opioide.
  • Cremes oder medikamentenhaltige Pflaster (topische oder lokale Therapie): v.a. Lidocain, Capsaicin.

Einfache Schmerzmittel, die auch ohne Rezept erhältlich sind, wie einige Antirheumatika (z.B. Aspirin, Ibuprofen) zeigen hingegen bei Nervenschmerzen keine Wirkung, verursachen auf Dauer aber schwere Nebenwirkungen.

Invasive Verfahren wie z.B. Nervenblockaden, Infiltrationen oder elektrische Nervenstimulation können ergänzend oder in der Akuttherapie zur Überbrückung der Zeit bis zum Wirken der oben genannten Medikamente eingesetzt werden.

Physikalische Maßnahmen, Ergotherapie und Psychotherapie können je nach Ausprägung der Beschwerden sinnvoll sein.

Bei der Therapie neuropathischer Schmerzen ist auf jeden Fall ein gewisses Maß an Geduld erforderlich. Es kann eine bestimmte Zeit dauern, bis das richtige Medikament bzw. die richtige Medikamentenkombination gefunden und das Therapieziel erreicht wird.

OA Dr. Wolfgang Jaksch, DEAA