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eine Frau mit türkisem Trägertop sitz am Strand und meditiert, mit dem Rücken zur Kamera, im Hintergrund sieht man das Meer, die Wellen schlagen ans Ufer

Schmerz und Psyche

Schmerzen sind als ein unangenehmes „Psycho-physisches“ Erlebnis definiert. Das heißt, Schmerz hat sowohl körperliche (physische) als auch psychische Anteile.  

Die „körperlichen Anteile“ betreffen die Reizleitung des Schmerzes. Also die Weiterleitung der Information von den Schmerzrezeptoren. Dieser Anteil des Schmerzes zeigt uns den Ort und die Stärke einer möglichen Gewebeschädigung. Auch die Art des Schmerzes wird weitergeleitet (stechend, kribbeln, dumpf, etc.). Beim akuten Schmerz steht der „sensorische“ Anteil im Vordergrund. Hier hat der Schmerz eine Warnfunktion vor weiterer Schädigung. Doch der Schmerz besteht nicht alleine aus diesem Anteil.

Wichtig ist auch der psychische Anteil, die sogenannten emotionellen Anteile, die sowohl das  Verhalten als auch das allgemeine Befinden bestimmen. Beim chronischen Schmerz tritt die Reizleitung des Schmerzes meist in den Hintergrund und der emotionale Anteil in den Vordergrund. Auf der Verhaltensebene kommt es häufig zu chronischem Schonverhalten und sozialem Rückzug. Hier ergeben sich deutliche Überschneidungen mit der Depression. Aber auch die Angst vor dem Schmerz spielt eine wichtige Rolle. Beim chronischen Schmerz geht die Warnfunktion meist verloren, der chronische Schmerz stellt eine Fehlfunktion dar.

Zwischen 3 und 6 Monaten kann es zu Chronifizierungsprozessen kommen. Wichtig ist es akuten und chronischen Schmerz nicht zu verwechseln. Beim akuten Schmerz kann das „Reparaturmodell“ häufig sehr gut helfen. Im Rahmen der Behandlung einer Disziplin kann oft sofort Schmerzfreiheit erreicht werden. Beim chronischen Schmerz greift das „Reparaturmodell“ zu kurz, es braucht oft die Zusammenarbeit mehrerer Disziplinen, um eine Verbesserung erzielen zu können!

Bei besonderen Symptomen (z.B. plötzlichen Lähmungen) zusätzlich zum Schmerz, kann eine chirurgische Akutversorgung notwendig werden. Bei vielen SchmerzpatientInnen ist ein sogenanntes konservatives Vorgehen indiziert: Physiotherapeutische, Psychotherapeutische und medizinische Therapien (z.B. Schmerzmittel und sogenannte Adjuvantien  (=Zusatzmittel)) sollen parallel und abgestimmt angewendet werden.

Autor: Prim. Assoc. Prof. Priv. Doz. Dr. Martin Aigner, Universitätsklinikum Tulln