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eine Frau mit türkisem Trägertop sitz am Strand und meditiert, mit dem Rücken zur Kamera, im Hintergrund sieht man das Meer, die Wellen schlagen ans Ufer

Der Schmerz an der Wirbelsäule

Jeder Mensch wird irgendwann in seinem Leben mit Schmerzen an der Wirbelsäule konfrontiert. Wichtig ist es diese Schmerzen richtig zu zuordnen. Gibt es ein adäquates Trauma oder sind Degenerationen, Fehlbildungen, Missbildungen oder eine ausgeprägte Überbelastung dafür verantwortlich.
Auf jeden Fall muss nach der Ursache der Beschwerden gesucht werden. Je genauer diese Gründe für die Schmerzen definiert werden, umso zielgerichteter und effizienter kann die Schmerztherapie gestaltet werden.
Bei den Ursachen gilt es den „Pain Generator“ (Hauptschmerzpunkt) zu finden. Gerade an der Wirbelsäule ist zu unterscheiden, ob die Beschwerden an der knöchernen Wirbelsäule oder an den sie außen umgebenden Weichteilen wie Sehnen, Muskel, Bänder entstehen oder von den in ihr verlaufenden Nerven oder dem Rückenmark und seinen Hüllen ausgehen.

Gerade bei Schmerzen rund um die Wirbelsäule gilt es das „Bio-Psycho-Soziale Modell“ in Erinnerung zu rufen. Das eine funktioniert ohne das andere nicht!
Die Zusammenhänge des Organs im Sinne des Körpers mit der Psyche und dem Geist sind in Einklang zu bringen.
Bedenke man doch, dass viele psycho-somatischen Probleme auch somato-psychisch entstanden sein könnten. Das umgangssprachliche „Rückgrat haben“ zeigt schön, wie das der Volksmund sieht…

Deshalb ist es auch sehr wichtig, dass Schmerz richtig definiert wird. Gemeint ist hier die Symptome entsprechend zu deuten und zu benennen:

Halswirbelsäule (HWS):
Schmerzen an der HWS selbst werden auch Cervicalsyndrom genannt. Strahlen diese in den Kopf aus, spricht man von einem oberen HWS oder Cervicalsyndrom. Strahlen sie in die Arme aus, dann spricht man vom unteren Cervicalsyndrom. Mischformen gibt es.

Brustwirbelsäule (BWS):
In der Brustwirbelsäule spricht man von der Dorsalgie bzw. wenn die Beschwerden auch in den Thorax ausstrahlen von der Thoracalgie. Schmerzen  die nach vorne ausstrahlen im Sinne eines Intercostalnervensyndromes können unangenehme Beschwerden hervorrufen, die auch gerne in der Differentialdiagnose mit einem Herzinfarkt in Zusammenhang gebracht werden. 

Lendenwirbelsäule (LWS):
An der Lendenwirbelsäule, wo am häufigsten Beschwerden auftreten, spricht man von einem Lumbalsyndrom oder von einer Lumbalgie oder einem Lumbago, wenn die Schmerzen direkt an der LWS auftreten. Strahlen diese jedoch in die Beine aus, dann spricht man von der Lumboischialgie oder wenn man nur Beinschmerzen hat, von der Ischialgie. Zu erwähnen sind hier auch noch die Iliosakralgelenksprobleme (Kreuzbein-Darmbein-Gelenk), da das Sakrum (Kreuzbein), auch wenn es schon in das Becken eingebettet ist, den auslaufenden Anteil der Wirbelsäule darstellt.

Zu unterscheiden gilt es noch, ob die Schmerzen radikulärer oder pseudoradikulärer (Nervenschmerzen imitierend, aber nicht von Segmenten selbst ausgehend) Natur sind. Diese Definition ist insofern wichtig, da sie klar beschreibt wo der Schmerz gefühlt wird. Zusätzlich gibt sie auch Hinweise über die Schmerzentstehung.

In den meisten Fällen können Schmerzen sehr wohl verschiedenen organischen Problemen zugeordnet werden. Jene 5-10%, bei denen die Schmerzursache nicht sicher definiert werden kann werden unspezifische Kreuzschmerzen genannt. Hier ist es doch zu einem starken Paradigmenwechsel gekommen, da sich die meisten Beschwerden sehr wohl erklären lassen können. In wie weit sie dann auch behandelbar sind, steht auf einem anderen Blatt Papier.

Wie können nun z.B. Kreuzschmerzen (Lumbago) entstehen: z.B. durch Instabilitäten, die meist auf Basis einer Discopathie – also einem Bandscheibenschaden fußen. Instabilitäten sind anamnestisch und klinisch zu diagnostizieren. Hinweise in radiologischen Untersuchungen sind auf Funktionsaufnahmen der LWS Röntgen zu erkennen. Hinweise sind auch eine Schwärzung der Bandscheibe in der T2 Wichtung im Sinne der sogenannten black disc. Eine weitere Ursache ist funktionell – muskulär. Die Arthrose der kleinen Wirbelgelenke, die genauso Beschwerden hervorrufen kann wie es eben auch eine Gonarthrose oder Coxarthrose (krankhafter Verschleiß von Knie und Hüfte) tut. Strukturell bedingte Kreuzschmerzen können durch z.B. Spondylolyse bzw. Spondylolisthesen (Gleitwirbel) oder dergleichen entstehen.

Diagnose:
Wenn ein Kreuzschmerz einmalig auftritt, dann besteht noch nicht die Notwendigkeit sofort alle diagnostischen Mittel anzuwenden. Sollten die Beschwerden aber länger als 4 - 6 Wochen gegeben sein bzw. sollten Beschwerden immer stärker werden, oder ausstrahlender Natur sein, dann sollte in erster Linie ein Röntgen der LWS durchgeführt werden. In weiterer Folge auch Funktionsaufnahmen und Beckenübersichtsröntgen, um die Hüft- und Iliosakralgelenke beurteilen zu können. Danach steht in den meisten Fällen die MRT Untersuchung an. Computertomografien sind gerade im degenerativen Bereich nicht so hilfreich. Sie können einen Bandscheibenprolaps zeigen, die zusätzlichen Weichteilprobleme oder auch andere Pathologien wie Modic Zeichen oder dergleichen sind dagegen nicht zu erkennen. Es sollte daher das CT speziellen Indikationen unterliegen und nicht wie es aus sozialversicherungstechnischen Gründen umgekehrt ist, dass ein CT sofort verfügbar ist und dass ein MRT, welches sinnvoller und ohne Strahlen durchgeführt werden kann, erst später durchgeführt wird.

Therapie:
Entsprechend der Diagnose sollte die Therapie möglichst zielgerichtet durchgeführt werden. Das bedeutet einerseits mechanische Ursachen bestmöglich zu behandeln mit z.B. Physiotherapie. Oder auch Lumbalbandagen, die durch die Propriozeption (= Tiefensensibiltät, die es dem Körper ermöglicht sich letztlich „selbst“ zu spüren) und leichte Massagen vor Ort den Muskelhartspann lösen und dadurch eher zu einem physiologischen Funktionieren der Muskulatur führen. Des Weiteren chemische, pharmazeutische Behandlung von Schmerzen. Hier sollten die Schmerzen zuerst verringert werden, um in weiterer Folge dadurch eine Verbesserung der Beweglichkeit und eine Normalisierung herbei zu führen.

In der Therapie gilt es auch die Hauptschmerzursache zu finden, die meistens auf ein einzelnes Junghanns´sches Segment herunter gebrochen werden kann. (2 Wirbelkörper und die Bandscheibe dazwischen und die sie umgebenden Muskel und Bänder).

Zusätzlich ist es auch immer wichtig, gerade bei länger bestehenden Schmerzen die psychische Situation mit ins Kalkül zu ziehen, da das Zusammenarbeiten mit Körper, Geist und Seele und die entsprechende Therapie die bestmöglichen Ergebnisse bringt. (Bio-Psycho-Soziales-System)

Die Prophylaxe muss hier unbedingt auch erwähnt werden, da ein entsprechend gutes Muskelkorsett für die Wirbelsäule die beste Möglichkeit darstellt, um Probleme gar nicht entstehen zu lassen bzw. nach Erfolg der Therapie diese möglichst selten wieder auferstehen zu lassen.  

Autor: Prim. Doz. Dr. Gerd M. Ivanic